Psychologische Situation
Viele Jugendliche, die von einer Krebserkrankung betroffen wurden, haben neben den zahlreichen „normalen“ psychosozialen Schwierigkeiten (welche solch eine Krankheit hervorruf) noch mit einem speziellen Problem zu kämpfen – nämlich einer möglichen Umorientierung ihrer beruflichen Zukunft.
In dieser Altersgruppe fallen in der Regel die wichtigen Entscheidungen für den zukünftigen Broterwerb und bedingen schon normalerweise viele Sorgen, nicht nur für den Jugendlichen selbst, sondern auch für die Angehörigen. Die schwere Krankheit erhöht diese Sorgen.
Bestehende Ängste vor einem Scheitern im Konkurrenzkampf mit den „gesunden“ Gleichaltrigen können sich verstärken. Die Angst, die Abhängigkeit und Loslösung von den Eltern nicht ausreichend zu schaffen, beherrschen viele ehemals kranke Jugendliche immer wieder. Einerseits sind sie durch die Krankheit „gereifter“ und haben viele wichtige Erfahrungen gemacht, die die Gleichaltrigen nicht haben und sind somit unter Umständen besser gerüstet für die Arbeitswelt. Andererseits sind sie verunsicherter, da die Krankheit sie in einer der sensibelsten Phasen der Entwicklung des Menschen – der Adoleszenz - getroffen hat.
Jene Jugendliche, welche sich nach dem Besuch einer mittleren höheren Schule oder einer berufsbildenden höheren Schule entschlossen haben, ein Universitätsstudium zu absolvieren, haben es da noch leichter als jene Jugendliche, die sehr früh den Einstieg in die Arbeitswelt suchen müssen. Ein positives Entgegenkommen der Umgebung, insbesondere der Arbeitswelt, ist für sie deshalb sehr wichtig.

Dr. Reinhard Topf
Leiter der psychosozialen Gruppe in St. Anna Kinderspital